ich schleppe ja im moment so allerlei fragen mit mir herum was mache ich hier eigentlich? warum verstehe ich nichts? wäre ich anders besser? warum vergeht die zeit nicht? (die wunden sind noch offen.) wird es jemals sommer? und versuche mich am leben. ich mache fehler zweimal, dreimal und hoffe, es hört bald auf. ich denke so über mein leben nach, wie ich es noch nie getan habe. das sagt sich so leicht, aber vielleicht spürt man in diesen wandelzeiten alles intensiver. auch die fragen... gut, dass es freunde gibt, die mir antworten in form von gedichten geben. da fällt mir wieder der spruch ein: wenn du einen freund auf der welt hast, bist du ein glücklicher mensch. i have so much more. und nun das gedicht:
von Erich Fried
Dich
dich sein lassen
ganz dich
Sehen daß du nur du bist
wenn du alles bist was du bist
das Zarte und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will
Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren verstümmeln...
Dich
dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an
mit wieviel Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe
und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem
nach allem was du bist
Nach der Wärme und nach der Kälte
nach der Güte und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen und Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit Stetigkeit
Dann ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht gar nicht so schwer.
auch der herbst hat was - 20. Mai, 23:05
es hat vorteile, allein auf dem land zu sein:
1. man muss nicht sprechen
2. man muss nicht ganz so viel aufräumen
3. man kann den ganzen tag lesen
es hat nachteile, allein auf dem land zu sein:
1. für alles ist man selbst verantwortlich
2. man vermisst seine wohnung, die stadt (!) und die freunde
3. man kann nicht sprechen
noch zwei tage, der regen kommt heute stark von oben und von rechts, es schüttet wie aus kübeln und gerne würde ich länger bleiben. und auch nicht, these are very slow and in a way lazy days. obwohl ich viel mache.
zum beispiel mich aus dem haus aussperren. so ist das, wenn man joggen geht und den schlüssel dann in den sportsachen lässt. nach einer kurzen schocksekunde dann die gewissheit, dass es ja ein geheimversteck mit einem notfallschlüssel gibt. puh. es wird nicht langweilig.
auch nicht die abenteuertouren vom hund und mir. gestern habe ich einen naturweg bei googlemaps gecheckt, um auf halber strecke festzustellen, dass die brücke, die ich benutzen muss, gesperrt ist. toll, also mit dem stadtrad neben dem fluss auf der wiese bis zur nächsten brücke gefahren. macht spaß, wenn man so gar nicht voran kommt. aber ich habe einen neuen weg entdeckt. man muss das positiv sehen. alles.
auch der herbst hat was - 19. Mai, 12:11
i thought the hardest part is over. and it is. and it's not.
es gibt schönere tage als diese, an denen man definitiv abschied nimmt. heute habe ich gelesen, wenn man nicht loslassen kann, soll man einfach so tun als ob und dann kommt das loslassen von ganz allein.
vielleicht ist das so, wie die ruhe von allein kommt, wenn man auf dem land ist. die tage haben einen anderen rhytmus, der hund will raus, die hasen futter und das muss ja alles besorgt werden. ich stelle fest: ich kann nur miserabel gras sensen (das ist echt eine kunst) und den hasenstall ausmisten, das bringt einen zurück auf den boden der tatsachen. allen muss gedient werden, irgendwie. und das ist gut.
auch der herbst hat was - 17. Mai, 10:43
Kein Mensch kann für längere Zeit zwei Gesichter haben - eines für sich selbst und eines für die Menge -, ohne am Ende unsicher zu werden, welches denn nun das wahre ist.
Nathaniel Hawthorne
auch der herbst hat was - 15. Mai, 18:52
Mich rühren die sandigen Wege
Im alten sandigen Land
Die Heckenrosengehege
Die Holderbüsche am Rand
Der alten Felderraine.
Die Gräser reden mir da
Von Zeiten, die warn noch nicht meine,
Als ich das Früheste sah:
Die Gräser. Und hörte die Lerche.
Und roch dieser Sande Geruch.
Seither schlepp ich diese Erde
Mit mir als Segen und Fluch.
Ich muß diesen Sand verwandeln,
Bis er schmilzt und Wort wird in mir.
Diese Erde lässt nicht mit sich handeln.
Ich komm nicht umsonst aus ihr.
Eva Strittmatter
auch der herbst hat was - 14. Mai, 16:18
ich bin einen tag zu hause und unfassbar entspannt. es gibt babyhäschen und kinderschafe, einen hund, der mir verfallen ist (und ich ihm), ein ganzes haus für mich und zeit, soviel zeit! heute war ich schon mit dem rad unterwegs und habe festgestellt, dass lupus ganz schön schnell rennen kann. habe lavendeltriebe zum trocknen vorbereitet und gemerkt, dass gartenarbeit das beste ist, um runterzukommen. habe gelesen und gedacht.
ich habe zwei vorhaben für meine woche landurlaub. jeden tag gibt es zwei stunden, die fest eingeplant sind: eine stunde der stille (kein lesen, kein rechner, keine arbeit) und eine stundes des lesens (keine magazine, kein gossip, nur vollkornbrot). mal sehen, ob das so gut klappt, wie bei den stillen tagen in zingst über ostern, aber ich bin guter dinge. und ich brauche ein bisschen struktur, damit mir die tage nicht durch die finger rinnen.
auch der herbst hat was - 13. Mai, 16:37
this week was busy although it's holiday.
nach einem schönen zuschneidetag auf dem land war die woche doch irgendwie ganz eigensinnig voll. nach friseurbesuch und unerfolgreichem schuhkauf wurden acht toastbrote verbrannt, mitternachtsspontanbesuch empfangen, ein youngsta-filmchen mit oma wally gedreht und das auto ausgefahren. heute in vier stunden wird der vater nach malle verabschiedet und ich bin der nächtliche flughafenshuttlefahrer. oh yeah. danach: allein im haus auf dem land. von meinen großen vorhaben berichte ich morgen. there is always a plan.
auch der herbst hat was - 12. Mai, 22:04
heute beginnen meine zwei wochen urlaub und was soll ich sagen?
es ist ein traum. ich wache früh auf und muss trotzdem nirgendwo hin, außer vor die tore der stadt zu
frau kaffiknopf, landluft schnuppern, als vorbereitung auf meinen heimaturlaub, der in zwei tagen beginnt. es heißt wieder einmal: haus, hund & schafe hüten, dazu die hasen und das eigene herz. das wird eine herausforderung, soviel zeit auf einmal zu haben. bis dahin werde ich noch ein bisschen berlin auskosten und dinge machen, die man sonst nie macht. werde meinen frühjahrswohnungsputz abschließen und meinen balkonpflanzen beim wachsen zuhören. frühlingsruhe kehrt ein.

auch der herbst hat was - 10. Mai, 08:33