links oben der wald, rechts unten das dorf
All die Jahre hatte es so ausgesehen, als sei sie die Gesündere, die Robustere von beiden. Er hatte früher begonnen, seine Schlüssel zu verlegen, das Portemonnaie, die Lesebrille, und als er schon zu schlecht sah, um eine Münze, die ihm aus der Hand gefallen war, jemals wiederzufinden, da wieselte sie noch sicher auf beiden Beinen zwischen Küche, Wohnzimmer und Bad herum. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie nie in Rente gegangen war. Sie hatte den Haushalt noch aufrechterhalten, als er schon fast nicht mehr allein vom Sofa hochkam, hatte noch die Fenster geputzt, durch die er oft nur noch völlig leer ins Tal starrte. Kampfameise nannte er sie manchmal, wenn sie mal wieder nicht zu bremsen war und er sich nach ein bisschen Aufmerksamkeit sehnte. Kampfameise, setz dich her zu deinem alten Ameisenbär, der hat nicht mehr lang.
Sag nicht so was, antwortete sie dann in leiser Wut, sag so was nicht. Und sie nahm einen Moment lang neben ihm Platz, strich über den Rücken seiner Hand und sah mit ihm in die Ferne, links oben der Wald, rechts unten das Dorf, die Wipfel der Obstbäume im Garten. Sie saßen nebeneinander wie Liebende, die auf einen Zug warten, der Verspätung hat, und die es nicht wagen, noch etwas anzufangen in der zusätzlichen Zeit, die bis zum Abschied bleibt.
Harriet Köhler: Und dann diese Stille
Sag nicht so was, antwortete sie dann in leiser Wut, sag so was nicht. Und sie nahm einen Moment lang neben ihm Platz, strich über den Rücken seiner Hand und sah mit ihm in die Ferne, links oben der Wald, rechts unten das Dorf, die Wipfel der Obstbäume im Garten. Sie saßen nebeneinander wie Liebende, die auf einen Zug warten, der Verspätung hat, und die es nicht wagen, noch etwas anzufangen in der zusätzlichen Zeit, die bis zum Abschied bleibt.
Harriet Köhler: Und dann diese Stille
auch der herbst hat was - 16. Mär, 21:36







