Freitag, 27. März 2009

ruhe

die wochen fliegen nur so vorbei. der freund wollte schon ganz viele kisten gepackt haben, es sind bis jetzt vier und - das muss man sagen - unmengen von elektroschrott, mit dem wir bereits die bsr-container gefüttert haben. ich warte darauf, in meine neue wohnung zu kommen und endlich alles ausmessen zu können. noch habe ich zweifel, ob alles so passt. am wochenende zieht der bruder in die schweiz und ich werde seine möhre von auto einem umzugswagen hinterhersteuern - mit ca. 120 km/h. wenn man schneller fährt, fängt das lenkrad an zu vibrieren. na, da freue ich mich. wirklich freue ich mich darauf, zu sehen, wie der bruder wohnen und leben wird, jetzt erstmal endgültig für die nächste zeit. am montag geht es dann schon wieder nach berlin. es kribbelt in meinen umzugsfingern und auch ich muss noch ganz viele kisten packen. nicht zu fassen, was sich in einem halben jahr ansammelt. dazu noch der kellerkram, der ja bis jetzt ganz unbeachtet war. aber heute genieße ich die ruhe vor dem wochenendsturm und werde mich - mal wieder - meinem chaosschreibtisch widmen und youngsta-sachen erledigen. endlich bin ich, nach nun einiger zeit motivationslosen dahinlebens, wieder erfreut, wenn ich etwas anpacken kann und es dann weg ist. das macht die vorfreude auf die wohnung, glaube ich. oder das gefühl, heute den ganzen tag zu hause zu sein.

blaue-strumpfhose_foto-prokop-photocase-com

foto: prokop / photocase.com

Mittwoch, 25. März 2009

vor der stadt

ich hänge den erinnerungen nach, als wir vor zwei wochen in neese waren und auf der rückfahrt wildgänse und kraniche aus dem zugfenster sahen, die in kurzen bildschnipseln ins bewusstsein kamen. der zug raste an feldern vorbei, die an den horizont stießen. daran erinnerte ich mich, als ich vor zwei wochen an der krummen lanke, am rand des grunewalds, spazieren war und wieder kraniche sah, und stockenten und mandarinenten. es gibt so viele vögel, deren namen ich nicht kenne. mein opa kann sogar vogelstimmen auseinander halten, auch wenn er die tiere nicht sieht...
dann gestern, der schneesturm mit hagel und blitz und später wieder sonne, die im eiswind schien. auf dem land müsste man sein! man könnte das wetter fühlen und würde sich nicht vor ihm verstecken. man würde in den wald gehen und sehen, wie die jahreszeiten hindurch ziehen und ihre spuren hinterlassen. man würde viel lernen, von der natur.

"ich bin in den wald gezogen, weil mir daran lag, bewusst zu leben, es nur mit den wesentlichen tatsachen des daseins zu tun zu haben. ich wollte sehen, ob ich nicht lernen könne, was es zu lernen gibt, um nicht, wenn es ans sterben ging, die entdeckung machen zu müssen, nicht gelebt zu haben."

aus "walden" von henry david thoreau

Freitag, 20. März 2009

frühlingsanfang, heute

hallo lieber frühling! schön, dass du da bist.

Neese-017

Mittwoch, 18. März 2009

abschiedsschmerz

neukölln ist nicht mein lieblingsstadtviertel, soviel steht fest. und doch werde ich ganz traurig, wenn ich an unseren auszug denke (ganz davon abgesehen, dass der freund und ich uns - jeweils - in einer vor-umzugs-schock-starre befinden). ich werde einiges vermissen: die schneeglöckchen-bäckerei mit den leckersten hellen brötchen der stadt und unsere bäckerin, die uns kennt und weiß, dass ich am liebsten mohnkuchen essen (der ist phantastisch), die krähen in unserem hinterhof, den hinterhof, die stille, die alten doppel-fenster, das abendliche wiedersehen mit dem freund. gleichzeitig freue ich mich sehr auf die neue wohnung und den balkon und richte schon alles in gedanken ein. leider habe ich die genauen maße der wohnung nicht und so vermute ich, dass alles anders kommt, als geplant. ich bin gespannt, ob meine sachen alle in die wohnung passen. ich habe mir fest vorgenommen, noch mehr sachen zu flohmarktobjekten zu erklären oder ganz wegzuwerfen. ich lebe jetzt seit einem halben jahr mit dem nötigsten meines besitzes, und was soll ich sagen? an die sachen, die seit sechs monaten im keller stehen, denke ich äußerst selten. wir haben einfach zuviel von allem. zumindest materiell.

Montag, 16. März 2009

was ist nur los mit mir ?

ich hatte euch von meiner kleinen auto-story berichtet. letzte woche ging es weiter mit "wie kann das nur passieren?"-momenten. ich betreute wie immer das haus durch die haustür, die ich mit meinem schlüssel öffne und dann mit dem fuß schwungvoll aufstoße. als ich die vier stockwerke hoch gelaufen bin und oben mit dem gleichen schlüssel die wohnungstür aufschließen will, merke ich, dass der schlüssel anstatt seiner geraden eine umgedreht L-förmige Form hat, also einfach mal in der mitte geknickt ist. hm, denke ich. wie kann das nur passieren? ich rufe also, wieder einmal, den freund an und entschließe mich dann, den schlüssel mit meinem stiefelabsatz gerade zu trampeln. klappt fast, allerdings bleibt eine kleine delle, die verhindert, dass der schlüssel ins schloss passt. ich warte also auf den freund und des freundes besuch und überbrücke mir die wartezeit mit lesen auf der sonnenbank im kleinen park vor unserer haustür. irgendwie war diese aktion also auch ein kleines geschenk. mit dem buch "no shopping" bin ich, nach dem dritten anlauf, übrigens fast durch.
nur heute musste ich früher von der arbeit aufbrechen, nachdem der freund, von seiner wiederkehrenden krankheit geschwächt, schon um drei vor der haustür stand. ohne schlüssel. den hatte ich. jetzt liegt er im bett und ich denke darüber nach, wie man der hausverwaltung schlüssig (!) erklärt, wie die delle in den schlüssel kommt.

Mittwoch, 11. März 2009

ein gedicht (von christina brudereck)

tulpenzauber_by-hui-buh

Gott, der große Künstler

Ich kann nicht anders
muss als allererstes
Gott als den großen Künstler beschreiben

Wie er am ersten aller Tage
sprach: es werde – und es wurde
so dass diese Welt nicht einfach vom Himmel fiel
sondern ins Leben geliebt wurde

Und am zweiten aller Tage
als die Festen zu neuen Räumen wurden
und der Himmel entstand
verrückte Erde, da hingerückt, da weggerückt
es entstanden
der Kilimandscharo, die Toskana, die Sahara
das Kap der guten Hoffnung und das Ruhrgebiet

Und wie am dritten Tag der Erde das Grün aufging
Olivgrün, Türkisgrün, helles Lindgrün, Gras- und
Waldgrün, Smaragdgrün, Neongrün, Flaschengrün
Goldgrün und Kiwigrün
kleine Halme, starke Bäume, Blumen
dafür erfand er die ganze Palette Farben
Rot, Gelb, Orange, Apricot, Beige, Lila, Rosa, Blau
Türkis, Braun, Grau, Gold, Silber, Blond…

Und Gott machte Rosen in verschiedenen Farben
und für verschiedene Orte
Kletterrosen, Heckenrosen, Seerosen
für eins von Gott Lieblingsfesten: Pfingstrosen
und eine für Jesus, eine Christrose

Und dann machte er noch
Astern, Tulpen, Gänseblümchen, Freesien, Gerbera
Narzissen, die irgendwann Osterglocken genannt wurden
Disteln, Nelken, Anemonen, Petunien, für die Kinder Pusteblumen
und für bayrische Hotels Geranien
Dahlien, Astern, Ginster, Glockenblumen, Clematis, Primeln, Enzian
für den Winter Schneeglöckchen, Orchideen, Chrysanthemen, Krokusse
Alpenveilchen, Sonnenblumen, Iris, Phlox, Lilien, Mohn, Kornblumen
und für alle, die sich das nicht merken können, Vergissmeinnicht

Sie viel Phantasie in Blumen investiert
die keinen Sinn haben außer die Erde schön zu blühen
ein echter Künstler

Und machte am vierten aller Tage
Lichter zum Jonglieren
die Sonne wird in die Bahn geworfen
Leuchten und Strahlen, Blinken werden erfunden
Sommer, Tag und Nacht
die Welt erlebt Morgenrot
und es dämmert ihr
es gibt keine Nacht mehr ohne Zeichen
das Dunkel weicht
und kein Stern ist Gott schnuppe

Und am fünften aller Tage
machte Gott Fische und Vögel
und wie man in seinem Element ist
abtauchen, mitschwärmen
in die Tiefe gehen, aufsteigen
fliegen, federleicht sein
den Himmel anhimmeln
getragen werden
Wind und Wellen
Wasserfälle, Wogen
Wolken, Blitz und Donnerstag

Und dann am sechsten Tag
macht Gott alle Sorten Tiere
Kamele, kleine und große Katzen, Goldfische
Zebrastreifen und Zitronenfalter, weiße Tauben, schlaue Füchse
Ponys, Puten, Piranhas, Perlhühner, Pelzmäuse, Präriehunde
Papageien und Pudel

Und dann machte er als Extra-Vergnügen noch
Muscheln, Diamanten, Perlen, Honig, Himbeeren, Kokosnüsse
und Kaffeebohnen (und fragte sich, schmunzelnd: ob die rausfinden
wie man das lecker kriegt?)

Und guckte er sich das alles an
und gab ihm die Note „sehr gut: eins“ und fühlte sich einsam
und machte zwei, wollte es so gerne mit jemandem teilen
und erfand den Menschen
auch in verschiedenen Variationen
große, kurze, runde, drahtige, dürre, faustdicke, schmale, leichte
blasse, dunklere, lockige, sommersprossige
- unterschiedlich, aber innen, und das ist wichtig, haben alle ein Herz

Und da erfand Gott die Liebe
und die Musik, das Feuer, Poesie, Fußball, Postkarten, Wolldecken
Spaghetti, Kerzen, Kitzeln, Niesen
Purzelbäume, Witze, Kugeln, Küssen, Schlafen, Träumen, Schenken
und die Schmetterlinge im Bauch
die segnete er auch

Und dann erfand er ganz zum Schluss
wie aus der Puste die Pause
und das Vergnügen, Spielen, Ausflüge, Staunen
Urlaub, Ausruhen, Mittagsschlaf
Schabbat, das letzte Siebtel einer Woche
Durchatmen, zweckfreie Zeit, die sinnvoll ist, beten
und heilige Sehnsucht

Und segnete das ganze
setzte seine große Unterschrift
unter sein göttlich einmalige Kunstwerk

Pusteblume_by-cdk

Dienstag, 10. März 2009

herr märzluft

Heute, nach langem Warten, ist endlich meine neue Druckerpatrone in Schwarz gekommen. Vor anderthalb Wochen bestellt und immer gehofft, dass jeder Druck, den ich seitdem getätigt habe, auch noch aufs Papier kommt. Sehr schön - die Patrone stand heute bei unserem Nachbarn Herr Lehmann vor der Tür und ich habe sie mir einfach weggeklaubt. Ist ja auch meine. Die Patrone kam von Herrn Märzluft, das fand ich wunderbar, weil es so schön zum Frühling passt, der sich wohl noch nicht so richtig raustraut. Obwohl...

Berlin-039

Hinter meiner schönen Arbeitsvilla wachsen im noch schönerem Garten schon die ersten Schneeglöckchen. Ich liebe Schneeglöckchen. Weil sie auf einmal in ganz großen Mengen da sind und so unschuldig scheinen. Und sie trotzen Regen und Schnee.
Ich freue mich jetzt sehr auf das Aprilwetter, das gestern ja schon begonnen hat. Regen neben Hagel und Sonne und hohen Wolkenbergen, toll. Man weiß nie, was kommt. Aber meistens ist es schön.

Mittwoch, 4. März 2009

jetzt reicht es

erst kommt der frühling nicht aus dem knick und jetzt hat freund auch noch eine lebensmittelvergiftung. und die hat er sich wahrscheinlich von dem einen makrelensushiröllchen geholt, das er von meinem teller genascht hat. er hat sich also heldenhaft vor mich geworfen, damit ich nicht leiden muss. und jetzt werfe ich mich heldenhaft in die krankenschwester- und teekocherrolle, damit er nicht soviel leiden muss. aber ich hätte es wissen müssen.

die woche fing damit an, dass am montag mein auto während der fahrt ausging. einfach so (dachte ich). einmal, zweimal und dann ein drittes mal. ich war kurz vor der stadtautobahnauffahrt und hatte angst, einen kilometerlangen stau zu verursachen, wenn ich liegen bleibe. also hab ich mein auto auf einen parkplatz gerollt, das blinkende batteriezeichen angestarrt, verzweifelt den freund angerufen und mich entschieden, mit dem bus nach hause zu fahren. gut, ich gebe zu, dass das nicht die kürzeste verbindung war. aber als ich nach anderthalb stunden zu hause ankam, war ich doch ein bisschen fertig mit der welt. am abend sind der freund und ich dann wieder zum auto gefahren (mit dem zweiten auto). als erstes entdecke ich einen schönen strafzettel an der frontscheibe, super. dann setzt sich der freund ans steuer, ich verängst, dass nichts funktioniert und - wir fahren los. einmal um den block, und auch noch eine zweite runde. auto fährt. es gibt jetzt folgende möglichkeiten:

1. ich kann nicht auto fahren
2. ich kann nicht mit absatzschuhen autofahren
3. ich bin durch ein magnetfeld gefahren, welches die autobatterie spontan entladen hat
4. ich kann nicht auto fahren

das schlimmste sind jetzt die nicht frauen-auto-fahr-witze, die ich mir in zukunft anhören muss, sondern dass die reale gefahr besteht, dass der freund nie wieder sushi ist. das kennen wir ja.

Zitat

Wir können vor lauter Angst nicht auf Zehenspitzen durchs Leben schleichen

Musik


Sophie Hunger
The Danger Of Light

Brandenburgische Wörter

(1) kaupeln (2) Plins (3) wa (4) lutschen (mit langem u) (5) nich (6) luntschen (7) tikschen (8) nüscht (9) zutschen (10) rückzu (11) schlurfen (12) schnurpsen

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